Zur Klarstellung vorab:
Medien, Ermittlungsbehörden und Justiz tendieren bei bestimmten Themen zu Überreaktionen. Aktuell groteskes Beispiel ist der "Tabakkrieg" in Kalifornien. Die Anti-Raucher-Kampagne, die ja einen ausgesprochen sinnvollen Kern hat, entwickelt sich dort zu einer regelrechten "Menschenjagd". (Siehe "ARD exclusiv", 4. 2. 2000, 21.40 Uhr: Cops mischen sich undercover unters Volk in Bars und Restaurants, um die "Übeltäter" in flagranti zu erwischen - 170 Dollar minimum zahlt jeder ertappte Raucher ...)
Manche Themen erzeugen, oft von den Medien erst "angeheizt", geradzu hysterische Massenreaktionen. Man denke nur an die vielen unschuldigen Väter, die von übereifrigen und nicht genügend ausgebildeten Erzieherinnen des sexuellen Mißbrauchs verdächtigt werden, und an die erschütternden Fehler von Ermittlungsbehörden und Justiz bei der Aufklärung solcher Fälle. Unsäglicher Schaden für die Kinder, die ihrer Eltern "beraubt" werden, sind die Folge, wo doch vorgegeben wird, daß das Ganze zu ihrem Schutze veranstaltet werde.
In dem hier berichteten Fall geht es um das Thema "Rechtsradikalismus". Auch dieses Thema ist, gerade wegen seiner unbestrittenen Bedeutung, sehr anfällig für hysterische Überreaktionen. Die Vorkommnisse, die hier berichtet werden, kann man sich anders nicht erklären, als dadurch, daß die Justiz völlig überfordert damit war, angesichts eines so öffentlichkeitswirksamen Themas korrekt zu ermitteln (jeder gewöhnliche Kriminelle wird vermutlich fairer behandelt als diese Leute). Dies ist eines von erschreckend vielen Beispielen des Scheiterns der deutschen Justizbehörden.
Dr. Peter Niehenke Forumsmoderator |